
Landes- und Wirtschaftsinformationen
Politische Beziehungen
Deutschland hat die Ukraine von Beginn an in ihrem Bemühen um eine Integration in europäische Strukturen und um demokratische und marktwirtschaftliche Transformation unterstützt. Zwischen Deutschland und der Ukraine besteht ein reger politischer Austausch, was für die Minister- und Parlamentarierebene gleichermaßen gilt.
An den bilateralen Beziehungen haben auch Bundesländer, Städte und Gemeinden, Universitäten und Schulen, private Vereine und Einzelpersonen großen Anteil. Am 9. Februar 2009 beging das Deutsch-Ukrainische Forum mit einem Festakt im Auswärtigen Amt den 10. Jahrestag seines Bestehens.
Wirtschaftsbeziehungen
Deutschland gehört zu den wichtigsten Handels- und Investitionspartnern der Ukraine. Das Handelsvolumen betrug 2010 etwa 6 Mrd. Euro. Die Ukraine verzeichnet in den Handelsbeziehungen mit Deutschland ein deutliches Defizit. Wichtigste deutsche Exportgüter sind Maschinen, Fahrzeuge, Chemie- und Pharmaprodukte, elektrotechnische Erzeugnisse und Nahrungs- und Futtermittel. Wichtigste ukrainische Exportgüter: Textilien/ Bekleidung, Metalle/ Legierungen/ Eisenwaren, Chemieprodukte sowie Fahrzeuge.
Bei den ausländischen Direktinvestitionen liegt Deutschland mit einem Gesamtvolumen von etwa 7 Mrd. US-Dollar (von insgesamt 40 Mrd. US-Dollar) auf Platz zwei (hinter Zypern). Mehr als 1.000 deutsche Firmen sind schätzungsweise in der Ukraine vertreten. Ihre Interessen nimmt neben der Botschaft auch die „Delegation der Deutschen Wirtschaft in der Ukraine“ wahr, die Vertretung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Große Investitionen wurden im Handel, im Bankensektor und in der lohnveredelnden Industrie getätigt. Die wichtigsten Branchen sind Handel und Finanzen, die Automobilzuliefererindustrie, die Baustoffindustrie und die Logistikbranche.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten und Kanada drittgrößter bilateraler Geber. Schwerpunkte sind die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik (insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen), Energieeffizienz und die HIV/AIDS-Bekämpfung.
Zusammenarbeit im Rechtsbereich
Deutschland unterstützt die Ukraine bereits seit vielen Jahren in ihren Bestrebungen, einen tragfähigen und stabilen Rechtsstaat nach westlichem Vorbild aufzubauen.
Dazu fördert Deutschland Rechtsberatungsprojekte in der Ukraine. Die wichtigste Rolle spielt hierbei die deutsche Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit (IRZ), die bereits 1991 ihre Arbeit im Land aufnahm. Zur Zeit liegt der Schwerpunkt der Zusammenarbeit auf dem Strafprozessrecht, dem Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Deutschland hat die Arbeit der IRZ in der Ukraine im Jahr 2008 mit 280.000 Euro unterstützt.
Daneben hat Deutschland auch regelmäßig aktiven Anteil an multilateralen Projekten, wie der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa). Hier sind in den vergangenen Jahren über 150.000 Euro in Projekte zum Verwaltungsrecht und zum Handelsrecht geflossen.
Schließlich fördert das Auswärtige Amt über die Botschaft Menschenrechtsprojekte in der Ukraine. Diese werden von ukrainischen Nichtregierungsorganisationen umgesetzt.
Kulturaustausch
Seit 1993 gibt es ein deutsch-ukrainisches Kulturabkommen. Im selben Jahr wurde in Kiew ein Goethe-Institut eingerichtet, zu dessen Netzwerk inzwischen Lesesäle und Sprachlernzentren in mehreren Regionen der Ukraine gehören. Ein Lehrer-Entsendeabkommen mit der Ukraine ist seit 1994 in Kraft. Seit 1997 haben mehr als 1.000 ukrainische Schüler das Deutsche Sprachdiplom (DSD) erhalten. 1998 wurde das Büro des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Kiew eingerichtet. Im gleichen Jahr wurde ein Abkommen über Hochschulzusammenarbeit geschlossen. Mehrere deutsche Programmlehrer und Lektoren sind an Schulen und Hochschulen in der Ukraine tätig. Die Nachfrage nach schulischem und außerschulischem Deutschunterricht steigt weiter, ebenso wie die Bewerbungen um Stipendien des DAAD. Derzeit studieren etwa 9.000 Ukrainer an deutschen Universitäten, über 1.500 erhalten jedes Jahr Förderungen und Stipendien vom DAAD. Neben den „Deutschlandwochen“ und den „Deutsch-Ukrainischen Wissenschaftstagen 2009“ (30 Veranstaltungen in 5 Städten mit insgesamt mehr als 3000 Teilnehmern) wurden 2010 „Deutsche Tage auf der Krim“ veranstaltet, die die Pflege und Intensivierung der bilateralen Beziehungen mit regionalem Fokus fortsetzten.
Forschungszusammenarbeit
Die Schwerpunkte der jährlich mehr als 30 deutsch-ukrainischen Forschungsprojekte liegen bei physikalischer und chemischer Materialforschung, Meeresforschung und Biotechnologie. Besonders fortgeschritten ist die Zusammenarbeit bei der Nano-Forschung und -technologie.
Deutsche Minderheit
Laut Volkszählung von 2001 leben etwa 33.000 Volksdeutsche in der Ukraine, besonders Nachkommen deutscher Auswanderer, die ab Ende des 18.Jh. in das damalige Russische Reich einwanderten. Sie haben sich in Gruppen und Vereinen organisiert. Seit Dezember 2004 sind alle Organisationen unter dem Dach des „Rats der Deutschen der Ukraine“ zusammengefasst.
Lederschuhen u. a. m. Die ukrainischen Unternehmen legen in erster Linie auf Investitionsgüter Wert: Maschinen und Anlagen für den Maschinenbau, chemische und Nahrungsmittelindustrie, Landwirtschaft. Auch elektrotechnische Ausstattung und Verkehrsmittel erfreuen sich großer Nachfrage, was der technischen Sanierung der Unternehmen und der Erhöhung derer Wettbewerbsfähigkeit dient.